Mit mehr als 500 Rechenzentren und einem steigenden Bedarf an künstlicher Intelligenz und Speicherplatz wird die IT-Branche in Deutschland mehr Infrastruktur benötigen. Das bedeutet: höherer Energieverbrauch und steigende Kosten.
Nachhaltigkeit in der IT ist kein Luxus mehr, sondern eine Notwendigkeit. Managed Service Provider (MSPs) und IT-Dienstleister (ITSPs) sollten das Thema aktiv mit ihren Kunden besprechen, sagen Eric Jochum, Berater für grünes IT-Management, und Ghazal Aakel, leitende IT-Beraterin für nachhaltige IT bei der metafinanz informationssyteme GmbH in München.
Am 13. November sprechen Eric Jochum und Ghazal Aakel auf dem GTIA DACH Community Meeting in Berlin über nachhaltige IT. Sie stellen ein Reifegradmodell vor, das Unternehmen hilft, ihre IT-Prozesse zu bewerten, zu verbessern und fundierte Entscheidungen zu treffen. Neben Kosteneinsparungen steht dabei der Klimaschutz im Fokus.
Wir haben mit den beiden Experten über ihren Vortrag und die wachsende Bedeutung nachhaltiger IT gesprochen.
Was bedeutet „Nachhaltigkeit” in der IT?
Nachhaltigkeit in der IT zielt darauf ab, Systeme so zu entwickeln und zu betreiben, dass sie die Umwelt möglichst wenig belasten und ein langfristiges ökologisches Gleichgewicht fördern. Als Nachhaltigkeitsexperte weiß ich, dass dies mehrere wichtige Aspekte umfasst.
Energieeffizienz steht dabei an erster Stelle. Energieeffiziente Hardware und Software senken den Verbrauch erheblich. “ Auch das Ressourcenmanagement spielt eine zentrale Rolle: Materialien und Energie müssen effizient genutzt werden. Umweltfreundliche Beschaffung, etwa die Auswahl nachhaltiger IT-Produkte, reduziert die Umweltbelastung zusätzlich.
Das Lebenszyklusmanagement verlängert die Nutzungsdauer von Geräten und sorgt für eine umweltgerechte Entsorgung, wodurch auch Abfall reduziert wird. Nachhaltige Softwareentwicklung optimiert Programme, um Leistung und Ressourcennutzung zu verbessern. Der Einsatz erneuerbarer Energien wie Solar- oder Windkraft senkt den CO₂-Ausstoß weiter. Virtualisierung und Cloud Computing verringern den physischen Platzbedarf der IT-Infrastruktur. Und regelmäßige Umweltverträglichkeitsprüfungen helfen, Nachhaltigkeitsmaßnahmen kontinuierlich zu verbessern.
Warum sollten MSPs und ITSPs Nachhaltigkeit bei eigenen Prozessen und denen ihrer Kunden priorisieren?
MSPs und ITSPs profitieren in vielerlei Hinsicht von nachhaltigen Praktiken. Wer versteht, wie Nachhaltigkeit in eigenen Prozessen und denen der Kunden wirkt, spart Kosten, weil Energie- und Ressourcenverbrauch sinken. Gleichzeitig verschaffen sich MSPs und ITSPs damit einen Wettbewerbsvorteil, indem sie sich als umweltbewusste Partner positionieren. Compliance-Aspekte spielen ebenfalls mit herein: Wer Umweltvorschriften einhält, vermeidet rechtliche Probleme. Zudem steigt die Nachfrage nach Partnern mit klarer Nachhaltigkeitsstrategie. Ein kleinerer CO₂-Ausstoß trägt zum globalen Umweltschutz bei. Nachhaltigkeit stärkt nicht nur das Image, sondern fördert auch Innovation und Effizienz. Das verbessert die Gesamtleistung und zeigt Engagement für den Umweltschutz.
Welche Vorteile bietet nachhaltige IT?
Nachhaltigkeit senkt Betriebskosten, steigert die Effizienz und sorgt für rechtliche Sicherheit. Wer Umweltvorschriften einhält, vermeidet nicht nur Strafen und rechtliche Probleme, sondern gewährleistet auch die Compliance. Nachhaltigkeit zieht umweltbewusste Kunden an hebt das Unternehmen von der Konkurrenz ab.
Die Reduktion des ökologischen Fußabdrucks leistet einen wichtigen Beitrag zum Umweltschutz. Das Engagement für Nachhaltigkeit zahlt auf das Image einer Marke ein und stärkt mithin das Vertrauen der Kunden und den Ruf des Unternehmens. Auch intern zahlt sich Nachhaltigkeit aus: Sie fördert Innovation, verbessert Arbeitsprozesse und steigert die Motivation der Mitarbeiter.
Welche Herausforderungen gibt es und wie lassen sie sich meistern?
ITSPs stehen bei der Umsetzung nachhaltiger IT vor einigen Hürden. Hohe Anlaufkosten schrecken oft ab. Ein schrittweises Vorgehen und die Nutzung von Fördermitteln können helfen. Nachhaltigkeit in bestehende Abläufe zu integrieren, mag komplex sein. Sie erfordert Geduld. Kleine, gezielte Änderungen sind ein guter Start. Danach kann man diese Schritt für Schritt ausbauen. Begrenzte Kenntnisse über nachhaltige Technologien und Praktiken sind eine weitere Herausforderung. Schulungen und die Einstellung von Nachhaltigkeitsexperten können Abhilfe schaffen und Wissenslücken schließen.
Widerstand gegen Veränderungen lässt sich durch eine klare Kommunikation der Vorteile und die Einbindung von Mitarbeitern und Stakeholdern überwinden. Das Messen und Überwachen der Fortschritte ist entscheidend. Hier können robuste Messgrößen und regelmäßige Berichte für Transparenz sorgen. Ein weiteres Problem: Lieferanten halten nicht immer Nachhaltigkeitsstandards ein. Hier hilft die enge Zusammenarbeit mit Lieferanten und die Festlegung klarer Nachhaltigkeitskriterien. Wenn ITSPs diese Herausforderungen vorausschauend angehen, können sie Nachhaltigkeit erfolgreich in ihre Abläufe integrieren und die damit verbundenen Vorteile nutzen.
Wie können ITSPs und MSPs ihre Nachhaltigkeitsreise starten?
ITSPs und MSPs, die mit Nachhaltigkeit beginnen möchten, sollten einige Punkte beachten. Ein Audit ist der erste Schritt. Er zeigt, wo das Unternehmen steht. Sich klare, spezifische und messbare Ziele zu setzen, ist sehr wichtig. Genauso wie Schulungen für Mitarbeiter, die das erforderliche Fachwissen etablieren sollen. Schon einfache, kostengünstige Maßnahmen, wie energieeffiziente Beleuchtung oder Recyclingprogramme können viel bewirken. Technologien wie Virtualisierung und Cloud Computing sowie energieeffiziente Hardware senken den Ressourcenverbrauch weiter. Um die Nachhaltigkeitsstandards auch bei Partnern und Lieferanten sicherzustellen, sollten ITSPs und MSPs eng mit ihnen zusammenarbeiten. Kennzahlen helfen, um Fortschritte zu messen und regelmäßig über die Nachhaltigkeitsmaßnahmen zu kommunizieren.
Die Einbindung aller Stakeholder, von Mitarbeitern und Partnern bis zu den Kunden, stärkt die Akzeptanz und treibt Veränderungen voran. Mit diesen Maßnahmen starten ITSPs und MSPs effektiv in einen nachhaltigeren IT-Betrieb.

